Maria Schaefer, geborene Eberstadt, ließ sich bei ihrer Heirat taufen. Sie besaß den Schutz einer „privilegierten Mischehe“. Doch als früh verwitwete Ehefrau war dieser Schutz wenig wert. Im Einwohnermeldebuch hatte zudem ein fleißiger Polizeibeamter „nicht arisch“ hinzugefügt, doch der Nachbarschaft fiel es gar nicht ein, die seit langem bekannte Mutter von zwei Söhnen zu denunzieren. Es erwies sich in den diesen Jahren als Glücksfall, dass sie bei vielen NS-Behörden nicht bekannt war: sie bezog keine Lebensmittelmarken, ihr Haus übertrug sie auf den Namen des ältesten Sohnes und bestritt ihren Unterhalt durch privat vermietete Zimmer. Sie fuhr auf ihrem Fahrrad durch Bockenheim, machte Ferien mit ihren Söhnen in Österreich und lebte unbehelligt – bis 1943. In diesem Jahr kursierten  Gerüchte, die später zur Gewissheit wurden: die jüdischen „Mischehepartner“ wurden nach dreimonatiger Gestapo-Haft in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Daraufhin handelte Maria Schaefer sofort.

Als Sicherheitsmaßnahme meldete sie sich aus Frankfurt zum 8. Februar 1943 nach Berlin ab, und zwar in die Paderborner Strasse 9. Jedoch – wie die Nachfrage ergab – war sie dort nie gemeldet. Vielmehr hatte sie sich bei Freunden in der Margarethenstrasse 4 als Untermieterin eintragen lassen. Und nicht nur das. Nach vielen Briefwechseln kannte sie der Postbote, und sie beantragte einen Postausweis. Sie blieb nicht lange in Berlin. Ihre Schwägerin in Hildesheim und unzählige Bekannte und Freunde, bei denen sie monatelang als Gast verweilte, haben sie in diesen zwei Jahren unterstützt. Am 17. Mai 1945 kehrte Maria Schaefer nach Frankfurt zurück und war wieder in ihrem Häuschen in der Blanchardstrasse 9 gemeldet.

Siehe: Petra Bonavita, Mit falschem Pass und Zyankali, S. 74-83
Maria Schaefer und Sohn Jürg. Sohn Klaus fotografiert bei dieser Wandertour auf den Spitz-Kofl in Österreich 1943 © Klaus Schaefer
Maria Schaefer und Sohn Jürg. Sohn Klaus fotografiert bei dieser Wandertour auf den Spitz-Kofl in Österreich 1943 © Klaus Schaefer
Eintrag im Soennecken-Kalender über den Erhalt von Lebensmittelmarken © Klaus Schaefer
Eintrag im Soennecken-Kalender über den Erhalt von Lebensmittelmarken © Klaus Schaefer

Vera Kiefer war als uneheliches Kind einer jüdischen Mutter geboren und wurde von einem nicht-jüdischen Ehepaar adoptiert. Sie war mit Alfons Kiefer verheiratet und hatte zwei Söhne. Der Ehemann starb 1938. Seit 1942 wurde sie unter falschem Namen von mehreren Personen durch die NS-Zeit gebracht: Willy Loos nahm sie mehrmals in seiner Wohnung in der Oberlindau 64 auf; unter dem Namen „Maria Probst“ lebte sie 1943/44 illegal mit Unterbrechungen bei Veronika Müller in Brückenau; Karl Probst brachte sie zwischendurch in verschiedenen Hotels und Pensionen unter seinem Namen unter, und versorgte sie des weiteren mit Lebensmitteln. Insgesamt ein Jahr konnte sie sich illegal und versteckt unter anderem im „Sprudel-Hotel“ in Bad Nauheim aufhalten. Sie überlebte und heiratete 1950 ihren Retter Karl Probst. Nach 1945 war sie Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt.

Von einem NS-Zellenleiter, den Rosa Meseberg, geb. Levi noch von Schulzeiten her kannte, wurde sie jahrelang gewarnt. Ihr Mann solle sie doch „wegschaffen“, womit eine sichere Unterbringung an einem geheimen Ort gemeint war. Ihre Tochter hielt die Bedrängnis der Verfolgung nicht aus und beging 1941 aus Verzweiflung und Angst vor den Gestapo-Vorladungen mit ihrem unehelich geborenen zweijährigen Sohn Selbstmord. Nach einem Bombenangriff Ende März 1944 fälschte der seit langem warnende NS-Zellenleiter Heinrich Leinberger für Rosa Meseberg ihren Fliegergeschädigtenausweis und trug statt „Levi“ als Geburtsnamen Kaiser ein. Damit ging sie nach Bieber/Kreis Gelnhausen und überlebte die Verfolgungszeit.