Max Keller (Aufnahme 30er Jahre) © Collection 2002.296, Case Nr. 2779, US Holocaust Memorial Museum Washington
Max Keller (Aufnahme 30er Jahre) © Collection 2002.296, Case Nr. 2779, US Holocaust Memorial Museum Washington
Der Kriegsverlauf war Anfang 1945 längst entschieden und es war nur eine Frage der Zeit bis die alliierten Streitkräfte der nationalsozialistischen Herrschaft ein Ende setzten. Dennoch ließ der Eifer der Gestapo an der Deportation jüdischer Frankfurter nicht nach. 200 männliche nicht-jüdische Partner einer „Mischehe“ und „Halbjuden“ wurden im Januar 1945 zum Arbeitseinsatz bei der Organisation Todt befohlen. Für die noch in Frankfurt verbliebenen Verfolgten kam zum 14. Februar 1945 die Aufforderung „zum auswärtigen Arbeitseinsatz“, damit war die Deportation nach Theresienstadt gemeint. Es waren nur sechs Wochen bis zum Einmarsch der Amerikaner Ende März 1945 und noch 191 Frankfurter wurden deportiert, während 100 Verfolgte zu diesem Zeipunkt untertauchten. In der Bevölkerung nahm jetzt die Bereitschaft zu, Verfolgten einen Unterschlupf zu geben.

Max Keller wandte sich im Oktober 1939 an das Quäker-Zentrum und bat den Vertrauensmann Rudolf Schlosser, ihm bei der Suche nach einem solventen Bürgen in den USA behilflich zu sein, da die finanziellen Ressourcen der bisher eingereichten Affidavits nicht ausreichten.

Charlotte Keller (Aufnahme 30er Jahre) © Collection 2002.296, Case Nr. 2779, US Holocaust Memorial Museum Washington
Charlotte Keller (Aufnahme 30er Jahre) © Collection 2002.296, Case Nr. 2779, US Holocaust Memorial Museum Washington
Max Keller und seine katholische Ehefrau Charlotte hätten gute Chancen zur Emigration gehabt, denn dank ihrer Wartenummer wären sie im März 1939 bereits „dran“ gewesen. Trotz des Einsatzes der amerikanischen Quäker gelang die Ausreise nicht. „Zufällig gehörte ich nicht zu den jüdischen Mischehepartnern, die 1942/43 deportiert und ermordet wurden“, schrieb er nach 1945. Als die letzte große Deportation im Februar 1945 anstand, tauchte er am 14. Februar 1945 zusammen mit Friedrich Stein und Adolf Rothschild in einer Gartenhütte in Frankfurt-Rödelheim unter, die ihnen Margret Stitz zur Verfügung stellte. Ihre Ehefrauen versorgten sie mit Lebensmitteln. Mehrmalige Verhöre bei der Gestapo schüchterten die Ehefrauen ein, aber Frau Keller war den Verhören gewachsen und überbrachte weiterhin Lebensmittel. Die drei Männer erlebten die Befreiung.

Quelle: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 Frankfurt/Main
und US Holocaust Memorial Museum Washington, Collection 2002.296, 
Case Numer 2779

 

 

Erich und Emmi Gerber (Aufnahme 40er Jahre).Tochter Erika versorgt ihre Mutter in ihrem Versteck im Februar/März 1945 (Aufnahme 1942) © Bettina Sandritter
Erich und Emmi Gerber (Aufnahme 40er Jahre).Tochter Erika versorgt ihre Mutter in ihrem Versteck im Februar/März 1945 (Aufnahme 1942) © Bettina Sandritter

Zwei Jahre „schmierte“ Erich Gerber einen Spitzel, der sich für seine Frau bei der Gestapo „einsetzte“. Im Wesentlichen ging es um die Reduzierung der Arbeitsstunden bei ihrem Zwangsarbeitseinsatz und um rechtzeitige Warnungen vor einer von https://www.acheterviagrafr24.com/viagra-prix-en-pharmacie/ der Gestapo beabsichtigten Deportation. Aber Erich Gerber vertraute nicht allein auf die Dienste des Spitzels. Er richtete vorsorglich in einem teilausgebombten Haus in der Feldbergstrasse 10 ein Zimmer her. Zerborstene Fensterscheiben wurden mit Pappe abgedichtet, eine Heizung war nicht mehr vorhanden. Dahin flüchtete Emma Gerber. Der Ehemann Erich, der die Scheidung von seiner jüdischen Ehefrau verweigerte, war seit Januar 1945 in das Zwangsarbeitslager Clausthal-Zellerfeld im Harz überstellt worden. Tochter Erika, die als einzige im elterlichen Haus blieb, versorgte die Mutter in deren Versteck. Sie übergab der Gestapo einen vorbereiteten Abschiedsbrief, in welchem ihre Mutter ihre Selbstmordabsichten hinterließ. Als am 1. März 1945 zwei Gestapo-Beamte ins Haus der Eltern einquartiert wurden, geriet Erika unter zusätzlichen Druck. Tagsüber in einem Rüstungsbetrieb arbeitend versorgte sie nachts ihre Mutter mit Lebensmitteln. Freunde halfen ihr dabei. Als am 26. März die Amerikaner Frankfurt befreiten, fiel eine Last von den Schultern der Tochter. Ein Leben lang hat sie diese Belastung nicht vergessen.

Die durchgestrichenen Namen auf der Deportationsliste vom 14. Februar 1945 weisen auf Personen hin, die sich im letzten Moment zum Untertauchen entschlossen hatten. Das waren zum Beispiel Irene D. und Sohn, die von der früheren Nachbarin Berta Gies im Keller in der Wielandstrasse versteckt wurden. Marianne M. wurde noch aus dem Deportationszug von ihrem Onkel herausgeholt, Vater Müller versteckte seine Zwillingskinder, Mutter Rosenberg brachte ihre zehnjährige Tochter zu Familie Ries nach Steinau. Die Liste der in letzter Minute Entkommenen liest sich auch als Ortsverzeichnis: in der Güntherburgallee bei Freunden versteckt, im Raum Offenbach untergetaucht, in Stockheim illegal, in Röllshausen mit Sohn untergetaucht, in Ulfa bei Schwager versteckt, bei einer Bauernfamilie in der Rhön oder in einem Kellerloch untergeschlupft. Die meisten Verfolgten zog es aus der Stadt heraus. Sie tarnten sich als Flüchtlinge aus den mittlerweile von der Roten Armee eroberten deutschen Ostgebieten oder als vor den Bomben geflohen und hofften dadurch auf bereitwillige Aufnahme bei der Landbevölkerung.

Einigen Verfolgten gelang es, ihren Namen nicht auf der Liste erscheinen zu lassen. Für Elfriede Schöps setzte sich der Betriebsführer der Firma Franz Wagner & Söhne ein. Er überzeugte den Gestapo-Inspektor Hummel von der Notwendigkeit ihrer Arbeit im Betrieb. Im Gegensatz zu anderen Sternträgern  wurde sie nicht deportiert. Dem Arbeitgeber August Weimer und dem Gestapo-Spitzel Hans Baumann gelang es, Ernestine Hoffmann mit gleichen Argumenten vor der Deportation zu bewahren. Lili Scholz hatte bereits 1943 ihre Mutter durch Beziehungen und hartnäckig vorangetriebene Gespräche aus der Gestapo-Haft in Frankfurt geholt. Eine Anstrengung, die sich über Wochen hinzog. Ihre Mutter wurde von der Deportationsliste gestrichen, nachdem sie sich zu erpressten Liebesdiensten hergab.

Nach der Befreiung durch die Amerikaner veröffentliche die Exil-Zeitschrift „Aufbau“ im April 1945 noch 155 Namen von in Frankfurt verbliebenen Juden. Es waren fast nur ältere Menschen, von denen der Arzt Dr. Alfred Goldschmidt einige als „transportunfähig“ erklärt hatte.