Hotel „Frankfurter Hof“ in Falkenstein im Taunus auf einer Postkarte aus den 30er Jahren.
Hotel „Frankfurter Hof“ in Falkenstein im Taunus auf einer Postkarte aus den 30er Jahren.

Seit langem unterstützten die Quäker die Aufforderung des britischen Konsuls Smallbones zur schnellen Ausreise aus NS-Deutschland. Sie wollten „eine auf mehrere Jahre sich erstreckende Auswanderung bewirken“, hatte Smallbones in Gesprächen erfahren.

Bei der „Religiösen Gesellschaft der Freunde“, den Quäkern, steht der einzelne Gläubige und sein unmittelbarer Bezug zu Gott im Mittelpunkt. Sie verneinen alles Nationale. Ihre „tätige“ Hilfe, ihre internationale Verbundenheit und ihre Bereitschaft allen Verfolgten zu helfen, machte sie zu den ersten Helfern nach 1933. Sie gehörten zu einer der ersten nicht-jüdischen Gruppen, die die Gefährdung der verfolgten Menschen erkannten und darauf mit Angeboten zur Flucht reagierten. Das American Friends Service Committee in Philadelphia (Quäker-Hilfsorganisation) half beispielsweise seit 1934 bei der Vermittlung zur Ausreise der ersten unbegleiteten Kinder in die USA.

Siehe Internetportale zu: onethousendchildren
„Friends in Europe“, London 1946
„Friends in Europe“, London 1946
Bericht über die Arbeit der „Friends in Europe“, London 1946, hier: Germany
Bericht über die Arbeit der „Friends in Europe“, London 1946, hier: Germany
Im Herbst 1933 stellten britische und deutsche Quäkerinnen in Falkenstein im Taunus in Zusammenarbeit mit dem dortigen Hotelier vom „Frankfurter Hof“ einen Ort zur Erholung für die aus Gefängnissen und Lagern entlassenen Menschen zur Verfügung. Im Frühjahr 1934 gründeten sie ein Internat in den Niederlanden („Eerde“ in Ommen) für Kinder, die in deutschen Schulen gepeinigt, ausgegrenzt und zum Abbruch ihres Schulbesuchs gedrängt wurden. Sie halfen allen: Juden und Katholiken, Sozialdemokraten und Kommunisten. Bald wurde aus einer Beratung in den Quäker-Büros konkrete Hilfe zur Emigration. Gleich den jüdischen Hilfsorganisationen suchten sie nach Schlupflöchern in den britischen Immigrationsgesetzen: neun Landwirtschaftsschulen nahmen männliche Jugendliche auf; jungen Frauen vermittelten sie ein Domestic Permit in englischen Haushalten; die Quäker suchten nach Familien, die eine Bürgschaft für ein Transit-Visum in England gaben; in ihren Quaker-Meetings sammelten sie Geld für eine solche Bürgschaft. Vor allem boten sie ihre Hilfe den Menschen an, die von keiner der offiziellen Hilfsorganisationen betreut wurden. Ihre guten Kontakte zu den Institutionen der Jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt und die sehr enge Zusammenarbeit wirkten sich zum Segen vieler Menschen aus: „Mancher Frankfurter Jude dankt ihnen seine Rettung“, hinterließ der Frankfurter Rabbiner Georg Salzberger.

„Nur heraus, nur heraus“ war die Aufforderung der britischen Quäkerin Elisabeth F. Howard im Sommer 1938. Das erst 1933 eröffnete Quäker-Büro in der Frankfurter Liebigstrasse 16 konnte 1938 den Andrang der Bittsteller nicht mehr bewältigen. Mitten in der Stadt in der Hochstrasse 8, wo auch die Quäkerin Else Wüst untergekommen war, wurde ad hoc ein internationales Quäker-Zentrum eingerichtet. Den deutschen Quäkern halfen die aus den USA und Großbritannien angereisten Freunde: Florence Cook und Robert Balderston aus den USA, so wie die britischen Quäkerinnen Elisabeth F. Howard und Dorothy Henkel. In der Frankfurter Quäker-Gruppe um den Vertrauensmann Dr. Rudolf Schlosser wirkten Else Wüst, Elisabeth Mann, das Ehepaar Ilse und Hans Petersen und Leonore Burnitz, um nur einige Namen zu nennen. Der Chemnitzer Quäker Horst Nendel unterstützte zeitweise die Arbeit, die 17-jährige Bergit Braach half als Sekretärin aus. Die enge Kooperation mit dem britischen Konsulat in Frankfurt, den britischen Quäkerinnen und dem American Friends Service Committee in Philadelphia zahlte sich aus. Das internationale Quäker-Zentrum in Frankfurt wurde Anlaufstelle für den gesamten südwestdeutschen Raum. Unter den Freunden der Quäker sprach sich ihre Unterstützung wie ein Lauffeuer herum.

 

 

Siehe: Petra Bonavita: Quäker als Retter ... im Frankfurt am Main der NS-Zeit, Stuttgart 2014

 

Hans Petersen © Christoph Kress
Hans Petersen © Christoph Kress
Leonore Burnitz © Marlies Flesch-Thebesius
Leonore Burnitz © Marlies Flesch-Thebesius
Dr. Rudolf und Amalie Schlosser © Eva Maria Birke-Steup
Dr. Rudolf und Amalie Schlosser © Eva Maria Birke-Steup
Else Wüst © Familie Lendner
Else Wüst © Familie Lendner
Elisabeth Mann © Familie Lendner
Elisabeth Mann © Familie Lendner
Die Jüdische Wirtschaftshilfe in Frankfurt/Main bittet die Quäker bei der Auswanderung von Herta Nachmann um Hilfe. © Bibliothek der Alten im Historischen Museum der Stadt Frankfurt am Main
Die Jüdische Wirtschaftshilfe in Frankfurt/Main bittet die Quäker bei der Auswanderung von Herta Nachmann um Hilfe. © Bibliothek der Alten im Historischen Museum der Stadt Frankfurt am Main