Der britische Konsul Robert T. Smallbones und seine Ehefrau Inga. © Jüdisches Museum Frankfurt am Main
Der britische Konsul Robert T. Smallbones und seine Ehefrau Inga. © Jüdisches Museum Frankfurt am Main
Einer der wenigen ausländischen Diplomaten, der sich der Notlage der Verfolgten bereits im November 1938 annahm, war der seit 1932 in Frankfurt eingesetzte britische Konsul Robert T. Smallbones.

Bei einem Kurzbesuch in London im November 1938 erreichten ihn aus Frankfurt erschütternde Nachrichten über die Verwüstungen der jüdischen Geschäfte, die Verhaftungen der jüdischen Männer und ihrer hilflos zurückgebliebenen und verängstigten Ehefrauen und Kindern. Er führte Gespräche mit Beamten des Londoner Home Office, doch niemand nahm die gefährliche Lage in ihrer vollen Bedeutung wahr. Konsul Smallbones erkannte, dass die Männer zuerst aus den Lagern herauszuholen waren, in die man sie nach dem 9. November verschleppt hatte, denn ohne ihren Ernährer würden auch die Frauen und Kinder nicht aus NS-Deutschland emigrieren.

Nach den ersten unergiebigen Sondierungen in London wandte sich Konsul Smallbones direkt an den Innenminister Sir Samuel Hoare und trug ihm seinen Plan vor: Mit einem auf zwei Jahre begrenzten Transit-Visum sollten die bedrohten Menschen auf sicherem Terrain in Großbritannien auf den nächsten Schritt in ihr Emigrationsland warten. Der Innenminister ging – ohne parlamentarische Debatten anzuberaumen – auf den Vorschlag ein.

Zurückgekehrt nach Frankfurt suchte Konsul Smallbones das Gespräch mit Vertretern der NS-Behörden. Mit dem Leiter der Frankfurter Gestapo erreichte er eine Absprache, die zu folgender Vorgehensweise führte: Die Angehörigen legten dem britischen Konsulat ihre Dokumente zur bereits in die Wege geleiteten Emigration vor, woraufhin sie vom Konsulat ein Permit erhielten, das zur Entlassung der jüdischen Männer aus den Lagern führte. Nach Frankfurt zurückgekehrt wurde den Männern eine Frist gesetzt, und sie hatten sich wöchentlich auf den Polizeirevieren zu melden. War der Besitz veräußert und alle Steuern und Abgaben an den NS-Staat entrichtet, ließ man sie ziehen. Das britische Konsulat prüfte, ob die in die Wege geleitete Emigration in das erstrebte Zielland innerhalb von zwei Jahren gelingen könne. Danach stellte das Konsulat ein Transit-Visum für Großbritannien aus. Verwandte oder Hilfsorganisationen hatten mit einer Bürgschaft den befristeten Aufenthalt in Großbritannien finanziell abzusichern. Nach dem „Smallbones-Schema“ arbeiteten bald alle konsularischen britischen Vertretungen auf dem Kontinent, und ca. 48.000 jüdische Flüchtlinge reisten Dank dieses Schemas in Großbritannien ein.

Die massiven Bemühungen des britischen Konsuls Smallbones, wie auch der Quäker und der Cook-Schwestern zeigen, dass viele Menschen ohne deren Unterstützung zur Emigration im Jahre 1939 mit ihren Angehörigen nach 1941 deportiert worden wären.

Gedenktafel in der Guiollettstrasse/Ecke Feuerbachstrasse,
Gedenktafel in der Guiollettstrasse/Ecke Feuerbachstrasse für den Einsatz der britischen Diplomaten Robert T. Smallbones und Arthur Dowden. © Foto: Petra Bonavita

 

 

 

 

Smallbones

Siehe: Botschafter Henderson berichtet über Hitler, Goering, Ribbentrop, London 1940, S. 28

Siehe: Heike Drummer - Gegen den Strom - 
Hrsg.: Fritz Backhaus/Monica Kingreen, Begleitbuch zur gleichnamigen 
Ausstellung im Jüdischen Museum, Frankfurt/Main 2012