Nach 2 ½ Jahren Haft wird Georg Vogel aus dem KZ Dachau 1945 entlassen. © Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Frankfurt am Main
Nach 2 ½ Jahren Haft wird Georg Vogel aus dem KZ Dachau 1945 entlassen. © Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Frankfurt am Main
„Das Netz der Spione, das Netz der Spitzel war so eng, das kann man sich kaum vorstellen“, schrieb die selbst gefährdete Mile Braach über diese Zeit. Angst wurde ein den Alltag beherrschendes Gefühl. In diesem Klima begannen die ersten Deportationen im Oktober 1941. Unangekündigt standen Gestapo- und SA-Männer vor der Tür und holten die Menschen aus ihren Betten. Um auch nur  e i n  Menschenleben zu retten, brauchte man sehr viel Mut, Voraussicht, ja Logistik. Zu den Herausforderungen gehörte es, zusätzliche Lebensmittel zu beschaffen, Schlafplätze und Ausweichquartiere zu besorgen, an gefälschte Papiere zu denken und jeden Tag aufs Neue zu planen. „Ich wusste, was ich tue und ich wusste was passiert“, sagte die Retterin Irene Block über ihre Hilfe: „Jeder Tag war ein geschenkter Tag“, den sie mit der von ihr beschützten Maria Fulda durchlebte. Mehrere Personen in einem illegalen Versteck zu versorgen war unvorstellbar. Ein knarrendes Parkett bei Abwesenheit der Wohnungsinhaber war ebenso verräterisch wie die Betätigung der Klospülung. Arztbesuche mit einem untergetauchten Schützling waren ausgeschlossen, sogar ein natürlicher Tod bedeutete die Notwendigkeit, die Leiche zu beseitigen. Ein standfestes Auftreten bei Verhören und die Fähigkeit, keine Unsicherheit zu zeigen und jeder Einschüchterung zu begegnen, waren überlebenswichtig.

Aufgrund seiner anti-nationalsozialistischen Einstellung hatte man Georg Vogel bereits als „politisch unzuverlässigen“ Mitarbeiter aus seiner Anstellung als Assistent bei der Stadt Frankfurt Ende 1933 entlassen. Auch seine Mitgliedschaft im jüdischen Sportverein „Bar Kochba“ und seine freundlichen Beziehungen zu Juden zeigten seine NS-Gegnerschaft. Als eine alte Verletzung aus dem I. Weltkrieg eine Amputation des linken Oberschenkels erforderte, ging er noch 1936 in das Rothschild-Krankenhaus am Röderbergweg und wurde von der Krankenschwester Bertha Klein wochenlang gut versorgt. Dies schuf ein Vertrauensverhältnis, an welches sich Bertha Klein erinnerte, als ihr Ehemann Emil von dem Ehepaar Simon und Gela Saemann angesprochen wurde, einen Fluchtweg an der Schweizer Grenze als einen sicheren Übergang zu erkunden. Seit Mai 1942 verließen größere Transporte in den Osten, als Evakuierung getarnt, von der Frankfurter Großmarkthalle aus die Stadt. Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch das Ehepaar Saemann eine Deportationsverfügung erhalten würde. Georg Vogel erklärte sich bereit, den von ihm zu überprüfenden Abschnitt an der Schweizer Grenze auf der Suche nach einem Fluchtweg abzuwandern. Nur drei Tage später – bei seiner Rückkehr –  war der Fluchtplan durchgesickert. Georg Vogel wurde als Fluchthelfer denunziert und am 13. Oktober 1942 verhaftet. Nach zwei Monaten Haft in Frankfurter Gefängnissen wurde der knapp 50-jährige Georg Vogel am 16. Dezember 1942 in das Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er bis Kriegsende inhaftiert blieb. Auf den 14. Juni 1945 datiert sein Entlassungsschein aus dem Lager Dachau. Emil Klein, Simon und Gela Saemann wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Bertha Klein und ihre zwei Söhne wurden nach Belgien – dem Geburtsland ihres Mannes – ausgewiesen und konnten getrennt versteckt in belgischen Familien überleben.