Gertrud Hengstenberg-Tichauer © Schweizerisches Bundesarchiv Bern
Gertrud Hengstenberg-Tichauer © Schweizerisches Bundesarchiv Bern
Für die letzte große Deportation am 24. September 1942 standen auch die Mitarbeiter des jüdischen Krankenhauses in der Gagernstrasse auf der Liste der zu Deportierenden. Der Arzt Dr. Günther Schneider und die Röntgenassistentin Gertrud Tichauer (geschiedene Hengstenberg), entschlossen sich unterzutauchen. Schneider aus Berlin und Tichauer aus Würzburg arbeiteten knapp drei Jahre gemeinsam in Frankfurt. Gertrud Tichauer gelang es mit Hilfe ihrer alten Bekannten Ilse Totzke aus Würzburg, illegal am 23. November 1942 bei Moulin-Neuf auf Schweizer Boden, zu flüchten. Die Flucht von Dr. Günther Schneider scheiterte an der Schweizer Grenze. Er wurde am 15. Februar 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Als seine Mutter Toni Schneider von der Verhaftung hörte, brach sie zusammen. Sie war im Frankfurter Stadtteil Goldstein versteckt und überlebte.

Zur Rettung von Gertrud Hengstenberg-Tichauer siehe:
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ilse-totzke/
Zerstörter Traum von Freiheit

 

 

Elisabeth Neumann war Gemeindeschwester in der evangelisch-reformierten Gemeinde im Frankfurter Westend. Die Deportation ihrer Mutter Helene und Bruder Richard konnte sie nicht verhindern und sie dachte auch nicht an ihre eigene Rettung. Gemeindemitglieder drängten sie zur Flucht. Ein erster Schritt zu ihrer Rettung wurde in der Schweiz getan. Das Pfarrerehepaar Alfred und Anna de Quervain verbürgte sich für sie. Erst als Elisabeth Neumann von Gemeindemitgliedern informiert wurde, dass sie auf der Liste einer der nächsten Deportationen stehen werde, entschloss sie sich zum Handeln.

Freundin Lilli Simon ergriff die Initiative und fuhr in die Schweizer Grenzregion nach Lörrach zu einem Freund, der Lilli einen sicheren Fußweg über die Grenze beschrieb. Sie prägte sich den Weg ein, den ihr ein Dorfschullehrer namens Eugen auf die Schultafel gemalt hatte. Mit dieser Skizze im Kopf kehrte die Freundin zurück, und Elisabeth Neumann prägte sich „ihren Fluchtweg“ und den illegalen Übergang ein. Am 22. Mai 1942 verließ sie Frankfurt, übernachtete bei Freunden in Freiburg und ging am nächsten Tag über Lörrach, Waldshut und Grießen über die Grenze nach Rafz auf schweizerischem Gebiet. In Schwesterntracht wurde sie abends um 20.45 Uhr angehalten. Dank der Einreisebewilligungen in ihrer Handtasche erreichte sie nach drei Tagen das Pfarrhaus von Alfred und Anna de Quervain in Laufen (Schweiz). Im August 1945 kehrte Elisabeth Neumann erneut „illegal“ – da es noch keine offiziellen Ausreisegenehmigungen gab – als Gemeindeschwester an die evangelisch-reformierte Gemeinde in Frankfurt zurück.

Gemeindeschwester Elisabeth Neumann kurz nach ihrer geglückten Flucht im Pfarrhaus bei Anna de Quervain in Laufen/Schweiz © Dorothée de Quervain
Gemeindeschwester Elisabeth Neumann kurz nach ihrer geglückten Flucht im Pfarrhaus bei Anna de Quervain in Laufen/Schweiz © Dorothée de Quervain
Lilli Simon überbringt die Wegbeschreibung zur Flucht für Elisabeth Neumann © Privat
Lilli Simon überbringt die Wegbeschreibung zur Flucht für Elisabeth Neumann © Sammlung Petra Bonavita