Die amerikanische Quäkerin Florence Cook
Die amerikanische Quäkerin Florence Cook bittet das amerikanische Konsulat in Stuttgart 1939 um eine Aufstellung, wann bei einer bestimmten Registrierungsnummer mit der Auswanderung zu rechnen ist. © USHMM Washington, Collection 2002.296, Case Nr. 1298
Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938 in Österreich und die Pogrome um den 9. November 1938 bewegten viele Juden – die bis dahin gezögert hatten – dazu, aus dem nationalsozialistischen Einflussgebiet zu flüchten. Eine Flucht, die ab diesem Zeitpunkt nur wenigen Verfolgten gelang. Trotz der seit Anfang 1938 gestiegenen Nachfrage nach aufnahmebereiten Einreiseländern und der Hoffnung auf damit verbundene Erleichterungen der Visa-Bestimmungen fand die in das französische Évians-les-Bains im Sommer 1938 einberufene internationale Konferenz keine Antwort auf die Notlage. Vertreter aus 32 Nationen beratschlagten auf dieser Konferenz, wie mit dem Flüchtlingsstrom der Juden umzugehen sei. Es kam zu keiner Entscheidung, die Einwanderungsbestimmungen zu lockern und die Quoten zu erhöhen. Einige Länder erklärten sich auf der Konferenz bereit, unbegleitete Kinder aufzunehmen. Zur Aufnahme einiger hundert Kleinkinder und Jugendlicher erklärten sich die Schweiz und Schweden bereit, und einige Tausende wollten Belgien, Holland und Frankreich einreisen lassen. Die Entscheidung der Schweizer Regierung im August 1938, – in Absprache mit der nationalsozialistischen Regierung in Berlin – im Pass und auf der Kennkarte ein sichtbares großes „J“ einzuführen, erleichterte es den Schweizer Beamten, bereits an der Grenze jüdische Einreisende herauszupicken und zurückzuschicken. Auch die Nachrichten über die Pogromtage im November 1938, die sich weltweit in der Presse verbreiteten, änderten nichts an der Haltung der ausländischen Regierungen. Die nunmehr lebensbedrohliche Lage aller Juden im nationalsozialistischen Einflussgebiet und die Deportation der jüdischen Männer in die Konzentrationslager im November 1938 führten zu einem Ansturm der Angehörigen auf die ausländischen Konsulate. Wer nicht in den Sommermonaten 1938 ein Visum für die USA beantragt hatte, musste jahrelange Wartezeiten in Kauf nehmen. Eine hektische Suche nach weit entfernten Fluchtländern begann. Shanghai gehörte dazu, das ohne Visum und Wartezeit Menschen aufnahm. Ohne ausreichende finanzielle Mittel war es schwer zu erreichen.